Die Kirche Sankt Michael

in Mülheim an der Ruhr-Speldorf

Die Kirche ist in erster Linie Haus Gottes. Ihn zu verehren, haben wir es gebaut. Es ist Gottes Wohnstatt in der Eucharistie und uns Raum zur Sammlung im Gebet. Zwei Ansprüchen höchster Qualität hat dieser Kirchenbau gerecht zu werden.

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Fast zwei Jahrtausende lang haben Gläubige inzwischen versucht, die ideale Form für das würdige Haus Gottes zu finden und es entsprechend auszustatten. Bei uns, nördlich der Alpen, zunächst fußend auf römischer Tradition im romanischen Kirchenbau. Besonders ein Gedanke war dabei von Anfang an grundlegend und besitzt bis heute Gültigkeit. Nämlich der, den Kirchenbau mit Bezug auf das Sinnbild des Kreuzes über kreuzförmigem Grundriß zu errichten, also mit einem Langhaus und einem Querhaus. Von der antiken Basilika, d.h. Königshalle, übernahm man die Form der langgestreckten Halle mit Mittelschiff und Seitenschiffen sowie Säulen- und Pfeilerstellungen dazwischen. Diente die Basilika dem Abhalten von Märkten und Gerichtsverhandlungen, so änderte sich der Zweck des Gebäudes nun aber grundlegend. In beiden Fällen allerdings bot es Raum für größere Menschenmengen. An die Stelle, die dem Tribun vorbehalten war, der seinen Platz an der Schmalseite der Halle, häufig auf einem halbrunden Ausbau innehatte, trat der Chorraum mit dem Altar.
Diese Grundform der Kirche ist durch die Jahrhunderte hindurch die dominierende geblieben, sei sie in romanischem, gotischem, Renaissance- oder Barockstil ausgebildet worden. Auch unsere Kirche St. Michael steht in dieser baulichen Tradition. 1912 geplant, sollten sich Langhaus und Querhaus zur Kreuzform verbinden sowie ein Haupt- und zwei Seitenschiffe zum Chorraum hinführen. Wie die meisten rheinischen Kirchen dieser Zeit sollte der Bau in neugotischem Stil errichtet werden. Die Wurzeln hierfür lagen im Ende des 18. bzw. 19. Jahrhundert. Nach den geistigen Wirren, die die Aufklärung mit sich brachte, und den politischen Wirren der französischen Revolution suchte man allenthalben nach der verloren gegangenen geistigen Heimat und der vaterländischen Identität. Dies führte zu einer Wiederbelebung und Idealisierung der Vergangenheit, die im Historismus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt fanden. Insbesondere die katholische Kirche, ausgehend vom Erzbistum Köln, förderte dabei die Wiederbelebung des gotischen Stils und mittelalterlichen Gedankenguts, da sie in dieser Epoche ihre Blüte- und Glanzzeit verwirklicht sah, während mit der beginnenden Neuzeit und der Reformation aus ihrer Sicht eine Art Verfallszeit begann. Der Kölner Dom, der größtenteils erst im 19. Jahrhundert fertiggestellt wurde, wurde zum ideellen Vorbild für den gesamten Kirchenbau im Rheinland und weit darüber hinaus.
Mit dem Baubeginn im Jahr 1915 steht St. Michael am Ausklang einer Epoche, die bewußt und ausdrücklich versucht hat, die mühsam errungenen Werte der Vergangenheit wieder lebendig werden zu lassen. l
"Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben"
Die langgestreckte, dreischiffige Halle als ein Weg hin zum Allerheiligsten, im direkten wie im übertragenen Sinne, auch das gehörte im Mittelalter schon zur Vorstellung vom Kir-
chengebäude. Aber auch den Weg bis hin zur Kirche dürfen wir einbeziehen als einen Weg, auf dem wir pilgern.
Die meisten Kirchenbesucher nähern sich heute von der Chorseite her dem Gotteshaus. Das Auge fällt auf die schlanken, spitzbogigen Fenster des Chorraumes und wandert über die hohe Wand- und Dachzone hinaus zum kleinen Dachreiter, dem Glockentürmchen, das über dem Schnittpunkt von Langhaus und Querhaus der Kirche aufragt. Die Ausmaße des Chorbereiches und des von hier aus sichtbaren Kirchenschiffs lassen ein Bauwerk von beachtlicher Größe erwarten. Und in der Tat rechnete die Gemeinde in der Planungszeit der Kirche, also um 1912/1915, wohl damit, daß die Besiedelung von Speidorf so dicht wie in Broich erfolgen und deshalb die Zahl der Pfarrmitglieder enorm wachsen würde.
Jedenfalls entwarf der Architekt Hagen den Plan für die Kirche St. Michael, die als Nebenkirche der Pfarrkirche Herz-Jesu entstand, in dem Gedanken, Raum für eine Gemeinde mit mehreren Tausend Mitgliedern zu schaffen. Das neugotische Gotteshaus sollte bis zu den Treppenstufen an der Mozartstraße reichen, dort das Hauptportal erhalten und durch einen hohen Turm mit spitzem Helm akzentuiert werden.
Erwartungsvoll also nähert sich der unbefangene Besucher weiter dem Gotteshaus, indem er dem Weg zwischen Pfarrhaus und Kirche folgt, um sehr bald festzustellen, daß nicht nur der sonst übliche Kirchturm fehlt, sondern auch das Kirchenschiff selbst wesentlich kürzer ist, als zu vermuten gewesen wäre.
Zwei wichtige Informationen aber findet er auf der Außenwand der Sakristei, die erst um 1988 erneuert wurde. In Stein gemeißelt ist die Erbauungszeit der Kirche genannt, nämlich 1915 bis 1919, sowie ihr Hauptpatron, der
Hl. Erzengel Michael, mit der lateinischen und deutschen Anrufung: "Durch alle Wirrnisse geleite uns in Frieden". Ihm, dem Kämpfer für den Frieden, dem Besieger des Bösen, ist das Gotteshaus geweiht, das in der Zeit des Ersten Weltkriegs errichtet wurde. Da in dieser Zeit das für die geplante Kirche benötigte Geld nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung stand, begnügte man sich zunächst mit einer teilweisen Fertigstellung. Drei Joche des Langhauses und der Turm sollten später entstehen. Nach dem Krieg aber verlief die Bebauung in Speidorf nicht so, wie ursprünglich gedacht, so daß die Pfarrgemeinde nie die erwartete Größe erreichte. So kommt es, daß St. Michael bis heute zu großen Teilen nicht ausgebaut wurde. Vielmehr bemühte man sich darum, das vorhandene Bauwerk zu einem in sich geschlossenen Ganzen werden zu lassen, das auch ohne Turm und Langhaus bestehen konnte. Am 23. Dezember 1919 wurde der erste Gottesdienst in St. Michael gehalten. Da die Ausmalung (1922) noch nicht erfolgt und die Inneneinrichtung noch nicht vollständig waren, wartete man mit der Kirchweihe bis zum 17. Juli 1927.
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