Auf dem Weg nach Ciacova

Auf dem Weg nach Jebel und Ciacova. Ein Hilfsprojekt für Rumänien

Jeder zweite Rumäne lebt am Rande oder unterhalb des Existenzminimums. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 40%. Das rumänische Durchschnittseinkommen beträgt 1.627.500 Lei (etwa 75 Euro) monatlich. Die Durchschnittsrente liegt bei 17.- Euro. Ein kg Fleisch kostet 5.- Euro. Allein für das Beheizen einer Durchschnittswohnung müssten monatlich 95.- Euro ausgegeben werden.

Viele Wohnungen, insbesondere die der Rentner, bleiben daher selbst im Winter bei Minustemperaturen unbeheizt. Es ist eine deutliche Zunahme der Verarmung in Rumänien festzustellen, viele Menschen hungern bereits. Die Kaufkraft des verfügbaren Einkommens ist gegenüber Dezember 1990 um mehr als die Hälfte gesunken. Die Inflationsrate liegt derzeit bei über 40%. Etwas mehr als 50% der arbeitsfähigen Bevölkerung ist arbeitslos. Der Sozialhilfesatz liegt für Einzelpersonen bei monatlich 80000 Lei, etwa 10.- Euro.

Diese Zahlen sprechen für sich. Die Folgen treffen, wie so oft, am härtesten die Landbevölkerung, Kinder, Alte und Kranke.

"Hilfe zur Selbsthilfe" ist kein Schlagwort, sondern Programm. Durch den Aufbau verschiedenster Projekte wie einem Kleiderladen, Landwirtschafts- und Baugruppen, einem Maschinenpool, Schreinerwerkstätten und Schlossereien, bietet die Caritas Sozialstation Ciacova vielen Ortsansässigen einen festen Arbeitsplatz und damit die Möglichkeit, ihre Familien selbständig zu versorgen. Hilfe und Unterstützung erhält jeder. Wer über ein Einkommen verfügt, zahlt für die Hilfen nur so viel, wie seine Verhältnisse erlauben. Mit diesen Einnahmen werden Mitarbeiter entlohnt, Armenküchen eingerichtet, eine Bäckerei und eine Metzgerei betrieben, Kinderheime unterstüzt und neue Projekte finanziert.

In Zusammenarbeit mit der Caritas Auslandshilfe des Bistums Essen, der Propsteigemeinde St. Clemens in Oberhausen-Sterkrade und verschiedenen kirchlichen Verbänden organisiert die St. Clemens Hospitale gGmbh selbständig regelmäßige Hilfsgütertransporte nach Rumänien. Etwa zweimal monatlich fährt ein 40t Fahrzeug nach Rumänien, im Frühjahr und Herbst wird jeweils ein "Grosstransport" mit mehr als 20 Fahrzeugen durchgeführt. Die Hilfsgüter sind Privat- oder Firmenspenden und werden im Laufe eines Halbjahres bis zum nächsten Transport in Oberhausen gesammelt und gelagert.

Wer die Situation der Menschen in Rumänien kennt, weiß, daß einfach ALLES benötigt wird, konkret sowohl Sach- als auch Geldspenden zur Finanzierung der Transporte und Projekte vor Ort.

Die Psychiatrie Jebel

Jebel, ein unscheinbares Dorf südlich von Timisoara. Am Rand des Dorfes liegt die Psychiatrie, ein ehemaliges Militärlager. Hier wurde bei den ersten Kontakten eine mit Worten kaum beschreibbare Situation vorgefunden. In Jebel sind ca. 530 psychisch behandlungsbedürftige Menschen, darunter auch inzwischen krank gewordene, abgeschobene Regimekritiker aus Ceausescus Zeiten. Defekte Dächer, nasse Wände, sechs Duschen, meist kalt, für 530 Kranke, Kakerlaken an den Wänden, 60 Patienten auf 80 qm, Bett an Bett und der ständige Geruch von Kot und Urin prägten das Bild dieser Psychiatrie. Bei einem Tagessatz von umgerechnet (auch jetzt noch) 60 Eurocent konnte und kann sich die Leitung der Klinik entscheiden, ob sie etwas zu essen kauft oder therapiert. Dringende Reparaturarbeiten konnten und können nicht durchgeführt werden, da die primitivsten Baumaterialien einschließlich Nägel und Schrauben schlichtweg fehlen.

Unsere Hilfsmaßnahmen galten zunächst der Verbesserung der Lebensumstände in allen Bereichen. Neben der Lieferung von Krankenhausbetten, Kleidung, Bettwäsche, Baumaterial und Werkzeugen wurde das Projekt Jebel auch mit praktischer Hilfe unterstützt. So arbeitete ein Teil der ehrenamtlichen Fahrer während des Aufenthaltes in Ciacova an der Sanierung der Wohnpavillons. Wiederum mit dem Ziel "Hilfe zur Selbsthilfe". Die gemeinsame Arbeit mit den Handwerkern der Psychiatrie kann und darf auch dort nur eine Initialzündung zum eigenen Tun sein.

Die Gesamtsituation in Jebel ist zwar noch nicht befriedigend, aber durch unsere bisherigen Aktivitäten hat sich schon viel verbessert. Zuerst wurden viele Dächer renoviert und die Dachrinnen erneuert. Neben sichtbaren Verbesserungen an der Wohn- und Schlafsituation für die Patienten wurde in einem zweiten Schritt die Zentralküche so modernisiert, daß sie zwischenzeitlich allen Anforderungen in quantitativer und qualitativer Hinsicht entspricht. Die Elektro- Hauptverteilung der Klinik wurde erneuert, die Notstromversorgung sichergestellt und die Wasserversorgung automatisiert. Durch die Installation von Duschen, Waschbecken, Boilern für warmes Wasser sowie neuen Toilettenanlagen wurden die hygienischen Rahmenbedingungen wesentlich verbessert und menschlicher. Zuletzt wurde an der Wäscherei der Klinik gearbeitet, um sie auf einen Standard zu bringen, der den Anforderungen an die Hygiene und Qualität einer Klinik in der heutigen Zeit entspricht. So wurde eine neue Kesselanlage für die Warmwasserversorgung der Wäscherei geschaffen und eine grosse Industrie-Trommelwaschanlage eingebaut.

Leider wurden Zusagen zuständiger staatlicher Stellen nicht eingehalten, der Pflegesatz unter Hinweis auf unsere Aktivitäten noch weiter gekürzt, so dass derzeit von weiteren Hilfmaßnahmen abgesehen werden muss. Die Patienten werden jedoch zur Zeit noch mit einer täglichen kostenlosen Brotlieferung durch unseren Partner, der Caritas Ciacova, versorgt.

Die in vielen Herzen der Patienten, aber auch in denen der Mitarbeiter, die ebenfalls unter den unmenschlichen Bedingungen gelitten haben, aufkeimende Hoffnung und neue Lebensfreude, erhielt aufgrund der einseitigen Verhaltensweisen der Behörden wieder einen Rückschlag. Hoffnung, Motivation, aber auch Lebensfreude ist eine unabdingbare Voraussetzung für Eigeninitiativen.

Die Ergotherapie wird weiterhin von uns unterstützt. So konnten Gebäudeteile renoviert bzw. in Fertigbauweise errichtet werden, in denen die Patienten ihre geistigen, manuellen und kreativen Fähigkeiten neu entdecken und festigen können. Über Strick-, Häkel- und Nähgruppen, Ölgemälde, Holzeinlegearbeiten, Kleben von Tüten und Briefumschlägen bis hin zu motorischen Übungen mit Knetgummi im sogenannten "Kindergarten" wird eine bis dahin in rumänischen Psychiatrien unbekannte Therapie betrieben, die deutliche Erfolge aufweist. Ein installierter "Radiosender" bietet die Möglichkeit einer aktiven Kommunikation untereinander, ein Ausbruch aus der Isolation. Dies wurde trotz aller fachlichen- und materiellen Hilfe, dem persönlichen Einsatz der Hilfstransportfahrer aus Deutschland nur möglich, weil stark engagierte und motivierte Mitarbeiter wie Herr Doktor Radu Vrasti sich selbstlos mit in dieses Projekt eingebunden haben. Ihnen, die trotz aller Widrigkeiten im Lande bleiben, die ärmsten der Armen nicht im Stich lassen, gebührt die größte Anerkennung. Leider sind derzeit weitere Maßnahmen für Jebel nicht möglich. Grund: Wie bereits dargestellt, wurden von seiten der Behörden Absprachen nicht eingehalten, ja unsere Hilfe für Jebel schon fest mit eingeplant. Wie anders können die Kürzungen des Pflegesatzes unter Hinweis auf unsere Aktivitäten verstanden werden? Das können wir so nicht akzeptieren.

Dennoch, die Erfolge beweisen, dass Hilfe zur Selbsthilfe möglich ist! Kreativität, Verlässlichkeit, inspirieren und Hoffnung bringen sind die Schlagworte, mit denen man Bewusstsein ändern kann. Es beweist auch, Caritas fängt nicht mit dem Geld an, sondern ist Ausdruck einer praktizierten Mitmenschlichkeit, Ausdruck der christlichen Nächstenliebe, als Grundlage für eine Gesellschaft mit menschlichem Antlitz.

Vielleicht können wir bald wieder in Jebel aktiv werden. Es wird dann zwar noch einige Zeit dauern, bis JEBEL so gefestigt ist, daß es auf sicheren Füßen steht und sich selbst überlassen bleiben kann, aber dieser Tag, da sind sich alle trotz der Rückschläge einig, wird Dank der motivierten Mitarbeit der rumänischen Freunde kommen.

Die Caritas Sozialstation Ciacova

Ciacova ist eine typische rumänische Ortschaft im Banat mit 3000 Einwohnern im Kern und 9000 in den weit auseinanderliegenden Ortsteilen. Die wirtschaftlichen Folgen der Diktatur Ceausescus sind auch dort allgegenwärtig und unübersehbar - zerfallene Produktionsstätten, Häuser und Höfe und eine Infrastruktur, die überwiegend in den zwanziger Jahren entstand. Von der Caritas Ciacova wird ein Einzugsgebiet von etwa 400 qkm versorgt. In diesem befinden sich neben der schier unüberblickbaren Anzahl ärmster Familien auch zahlreiche Kinderheime, die bereits mit der Hilfe der Hilfsgütertransporte versorgt werden konnten. So wurden in den bisherigen Transporten ca. 10000 Tonnen Hilfsgüter, darunter neben dem Üblichen wie Kleidung und Lebensmitteln auch Baumaterialien, landwirtschaftliche Geräte und Trecker, Transport- und Feuerwehrfahrzeuge, Krankenwagen, Straßenverkehrsbusse, schweres Baugerät, eine Planierraupe, ein Radlader, Gabelstabler und zuletzt noch ein 10t Kran nach Ciacova gebracht. Zur Aufrechterhaltung des grossen Maschinenparks sind ständig Ersatzteile und Werzeuge erforderlich, die von uns beschafft werden. Über 300.000 Arbeitsstunden wurden bereits durch die ehrenamtlich tätigen Helfer in Deutschland erbracht. Mehr als 2.4 Mio Km wurden mit kostenlos zur Verfügung gestellten LKWs unfallfrei zurückgelegt. Auch fährt, durch Spenden finanziert, ein- bis zweimal monatlich ein rumänischer Fahrer das gesammelte Material von Oberhausen nach Rumänien. Dieser "Linienverkehr" ergänzt die 2x jährlichen Großtransporte mit bis zu 25 Fahrzeugen ganz wesentlich und sichert die kontinuierliche Hilfe.

Durch den Aufbau und die Unterstützung verschiedenster Projekte unter der Leitung der Caritas Ciacova erhalten Jugendliche Wohnung und einen Ausbildungsplatz, viele Rumänen in Ciacova eine Zukunftsperspektive, die darüber hinaus auch die Versorgung der Familien sicherstellt.

Die Projekte erzielen schon jetzt sichtbare Erfolge. Es ist faszinierend zu beobachten, wie Eigeninitiative, bis vor kurzem vergessen, wieder neu entdeckt wird, wie der Erfolg Lebenslust und Kreativität fördert. Dies alles angestoßen und unterstützt mit Dingen, die überwiegend von uns abgelegt oder nicht mehr benötigt werden. Es wurde ein Altenheim errichtet, ein Kinderheim, eine Bäckerei versorgt täglich Schulen, Kindergärten, Waisenheime und Krankenhäuser mit Brot und Brötchen. Eine eigene Landwirtschaft mit Schweinezucht und Metzgerei wurde aufgebaut. Kurz um, ein Ort der Hoffnung und der Hilfe für viele Einzelpersonen und Einrichtungen, oder wie das 1. rumänische Fernsehen in einem Bericht über die Caritas Ciacova feststellte: " Ich habe eine perfekte Welt gefunden". Die ist nur durch die gute Zusammenarbeit mit dem Caritasdirektor und Generalvikar a.D. des Bistums Timisoara, Pfarrer Georg Kobor und einem Netzwerk der Hilfe aus Deutschland, Österreich und der Schweiz möglich geworden. Die ordnungsgemäße Nutzung, aber auch die Verteilung der Hilfsgüter an wirklich Bedürftige ist gewährleist. Die Verwendung wird außerdem von Beauftragten und Fahrern der Caritas Essen durch die regelmäßigen Hilfsgütertransporte direkt vor Ort kontrolliert.

Sollten Sie Interesse an weiteren Unterlagen in Schrift- und Bildform, einem persönlichen Gespräch oder den Möglichkeiten der Sach- und Geldspenden haben, wenden Sie sich bitte direkt an die Leitung des Hilfsprojektes:

St. Clemens Hospitale Sterkrade

-Rumänienhilfe-
Technischer Direktor
Herr Hans Rosenkranz

Wilhelmstraße 34
D-46145 Oberhausen

Tel. 0208 - 69 53 25
Fax. 0208 - 69 53 90

Spendenkonto Rumänienhilfe:
Bank im Bistum Essen eG
BLZ 360 602 95
Kto. 237 700 16

Letzte Aktualisierung ( 09.12.2006 )

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Letzte Änderung am Sonntag, 01 Februar 2015 09:38
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